Seit dem Enterprise 2.0 Summit 2010 wird auf verschiedenen Kanälen verstärkt über „Nutzungsoffenheit“ als wichtigste Eigenschaft von Enterprise 2.0 Software gesprochen. Siehe z.B. http://byresearch.wordpress.com/2010/10/31/nutzungsoffenheit1/ und http://byresearch.wordpress.com/2010/11/13/nutzungsoffenheit2/

In der Sache stimme ich den Ausführungen voll zu. Mich als „alten CSCWler“ überkommt da aber ein Déjà-Vu.

Was meine ich damit? Die Eigenschaft von der hier unter dem neuen Begriff „Nutzungsoffenheit“ die Rede ist, wurde im Forschungsfeld CSCW schon vor langer Zeit in der Diskussion „Media vs. Tool“ / „Medium oder Werkzeug“ diskutiert (siehe z.B. http://www.ul.ie/~idc/library/papersreports/LiamBannon/5/EWHCI92.html oder neuere Betrachtungen unter http://www.kooperationssysteme.de/docs/pubs/Koch2008-bled-cscw_enterprise20.pdf).

In den frühen Jahren der CSCW-Forschung war häufiger davon die Rede, dass Groupware nicht nur für eine vorgedachte Nutzung ausgelegt sein sollte, sondern seine eigentliche Bestimmung häufig erst in der Adaption des Werkzeugs durch die Benutzer erfährt. E-Mail wurde in der CSCW-Literatur dazu immer als Paradebeispiel genannt. E-Mail als „einzige wirklich erfolgreiche Groupware“ wird heute ja für so viele Zwecke benutzt, für die es eigentlich nicht vorgesehen war. Und hier kam der Begriff „Medium“ auf. E-Mail ist nicht als Werkzeug zu sehen, mit dem man einen genau bestimmten Zweck erfüllen kann, sondern als Medium, über das der Benutzer verschiedene (auch noch nicht vorhergesehene) Zwecke realisieren kann.

Der Begriff „Medium“ gefällt mir dabei besonders gut, da er erstens die (Nutzungs-)Offenheit thematisiert und zweitens auch gleich eine Ausrichtung auf Interaktion und Kommunikation (oder genauer gesagt „Vermittlung“) vorgibt.

Gerade an E-Mail sieht man auch die Schattenseiten einer zu großen Nutzungsoffenheit: Einige Zwecke (wie z.B. Terminvereinbarung) können mit E-Mail zwar erfüllt werden, aber nicht gerade effizient … Hier ist also noch Platz für andere Werkzeuge oder gar andere Medien. Auch beim Einsatz von Social Software sollte man also immer wieder einmal kritisch hinterfragen, ob man das Medium effizient einsetzt, oder ob es sinnvoll wäre ein Nutzungsszenario durch ein anderes Medium (oder eine veränderte Nutzung) zu optimieren.

Nutzungsoffenheit und Medium vs. Werkzeug
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